FC St. Pauli gegen HSV: Warum das Hamburger Derby ganz Deutschland bewegt
Hamburg steht still. Zumindest für ein paar Stunden am Donnerstagabend. Denn wenn der FC St. Pauli und der Hamburger SV aufeinandertreffen, ist das weit mehr als nur ein Fußballspiel. Es ist ein Stadtderby, das Emotionen weckt, Straßen leert und Google-Server zum Glühen bringt. Mit über 100.000 Suchanfragen in nur vier Stunden und einem Wachstum von 1000 Prozent ist das Interesse am Hamburger Stadtderby aktuell explodiert. Die Fußball-Nation blickt gebannt auf die Hansestadt, denn dieses Duell vereint sportliche Brisanz, historische Rivalität und gesellschaftliche Bedeutung wie kaum ein anderes Spiel in der Bundesliga.
Am 23. Januar 2026 um 20:30 Uhr wird im ausverkauften Millerntor-Stadion Geschichte geschrieben. Zum 113. Mal treffen die beiden Hamburger Traditionsvereine aufeinander, und die Stadt hält den Atem an. Das Derby zwischen St. Pauli und HSV ist längst mehr als Sport – es ist gelebte Identität, pure Leidenschaft und manchmal auch ein Spiegel gesellschaftlicher Unterschiede. Die Atmosphäre in der Hansestadt ist elektrisierend, denn beide Lager wissen: An diesem Abend zählt nur eins – der Sieg über den Erzrivalen.
Historische Bilanz: Der HSV dominiert das Stadtderby seit Jahrzehnten
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von 112 bisherigen Duellen konnte der HSV beeindruckende 70 Siege einfahren. Fast zwei Drittel aller Begegnungen gingen an die Rothosen. Der FC St. Pauli hingegen triumphierte nur 25-mal, während 17 Partien unentschieden endeten. In der Bundesliga sieht die Bilanz noch ernüchternder aus: Acht HSV-Siege stehen drei St. Pauli-Erfolgen und sechs Remis gegenüber. Doch Statistiken erzählen nur die halbe Wahrheit über dieses besondere Duell.
Das Hamburger Stadtderby ist eines der bedeutendsten Spiele im deutschen Fußball, weil es zwei komplett unterschiedliche Fußball-Philosophien aufeinanderprallen lässt. Auf der einen Seite der traditionsreiche Hamburger SV, einst Bundesliga-Dino und europäische Größe. Auf der anderen Seite der FC St. Pauli, Kult-Club mit internationaler Fangemeinde und rebellischem Image. Hamburg ist derzeit eine der wenigen deutschen Städte mit zwei Bundesliga-Vertretern – eine Besonderheit, die das Derby noch brisanter macht. Wenn zwei Clubs aus derselben Stadt in der höchsten Spielklasse aufeinandertreffen, geht es um Stadtstolz, Bragging Rights und die Vorherrschaft im Viertel.
Abstiegskampf trifft auf Wiedergutmachung: Die sportliche Ausgangslage
Die aktuelle Situation verleiht dem Duell zusätzliche Dramatik. Der FC St. Pauli steckt in einer veritablen Krise. Nach zwei aufeinanderfolgenden Niederlagen ist der Kiezclub auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Für die Mannschaft von der Reeperbahn ist dieses Derby nicht weniger als ein Befreiungsschlag. Ein Sieg könnte die Wende einleiten, eine Niederlage die Abstiegsängste weiter befeuern. Die Situation ist angespannt, der Druck enorm.
Auf der anderen Seite steht der HSV, der eine Rechnung offen hat. Im Hinspiel kassierte der Hamburger SV eine schmerzhafte 0:2-Niederlage – eine Demütigung, die im Volkspark nicht vergessen wurde. Die Revanche steht an, und die HSV-Fans erwarten nichts weniger als eine deutliche Antwort im Millerntor. Diese Mischung aus Verzweiflung auf der einen und Rachegefühlen auf der anderen Seite macht das Spiel besonders unberechenbar.
Politische Bedeutung und friedliche Derby-Kultur in Hamburg
Dass das Derby weit über den Sport hinausgeht, zeigt sich auch an den Reaktionen aus der Politik. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher höchstpersönlich äußerte sich zur Partie und betonte, dass die Augen von ganz Fußball-Deutschland auf Hamburg gerichtet sind. Solche Statements verdeutlichen die gesellschaftliche Bedeutung dieses Spiels für die Hansestadt. Es ist mehr als nur ein Fußballspiel – es ist ein Event, das die gesamte Stadt prägt.
Die Hamburger Polizei hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet – allerdings mit erfreulichen Nachrichten. Die Behörden berichten von einer positiven Entwicklung bei den jüngsten Derbys. Die Spiele sind ohne große Störungen verlaufen, was in früheren Jahren keineswegs selbstverständlich war. Diese Entwicklung zeigt, dass trotz aller Rivalität ein respektvoller Umgang möglich ist. Das Hamburger Derby wird zunehmend zum Vorbild für leidenschaftlichen, aber fairen Fußball.
Millerntor-Stadion als Kulisse für 29.546 leidenschaftliche Fans
Das Millerntor-Stadion ist restlos ausverkauft. Die erwarteten 29.546 Zuschauer schaffen eine Kulisse, die selbst hartgesottene Profis beeindruckt. Die Atmosphäre im Stadion am Heiligengeistfeld ist legendär. Wenn die St. Pauli-Fans ihre Mannschaft anfeuern, bebt die Süd-Tribüne, und selbst die abgebrühtesten HSV-Spieler spüren den Druck. Für viele Hamburger ist dieses Spiel der Höhepunkt der Saison. Egal, wie die Tabellensituation aussieht, egal welche anderen Ziele verfolgt werden – im Derby zählt nur der Sieg.
Für St. Pauli geht es um die Existenz. Ein Sieg könnte den Glauben an den Klassenerhalt zurückbringen. Für den Hamburger SV geht es um Genugtuung und die Demonstration, wer in Hamburg das Sagen hat. Beide Teams haben ihre eigene Motivation, beide wollen unbedingt gewinnen. Am Ende wird es auf Kleinigkeiten ankommen. Auf Leidenschaft, Willen und vielleicht auch ein bisschen Glück. Wenn um 20:30 Uhr der Anpfiff ertönt, wird Hamburg für 90 Minuten in zwei Lager geteilt sein. Und ganz Deutschland wird zuschauen, wie sich das 113. Kapitel dieser legendären Rivalität entfaltet. Das ist Derby-Zeit in Hamburg – große Emotionen, große Spannung und großes Fußball-Theater.
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