Wenn die kalten Wintermonate in Europa ihre grauen Schatten werfen, erstrahlt Hoi An an der vietnamesischen Küste in bestem Licht. Der Januar bietet ideale Bedingungen für alle, die dem tristen Wetter entfliehen und sich eine kulturelle Auszeit gönnen möchten. Die alte Handelsstadt, einst Drehscheibe des internationalen Seehandels, bezaubert mit ihrer perfekt erhaltenen Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Für ein verlängertes Wochenende ist Hoi An wie geschaffen: kompakt, entspannt und voller unvergesslicher Eindrücke, ohne dass man sich dabei finanziell verausgaben muss.
Warum Hoi An im Januar besonders reizvoll ist
Der Januar gehört zur Trockenzeit in Zentralvietnam, was angenehme Temperaturen um die 25 Grad und strahlend blauen Himmel bedeutet. Die schwüle Hitze des Sommers ist noch weit entfernt, und die Regenzeit liegt bereits hinter einem. Diese klimatischen Bedingungen machen Spaziergänge durch die verwinkelten Gassen und Erkundungen per Fahrrad zu einem wahren Vergnügen. Die Stadt zeigt sich in diesen Wochen von ihrer zugänglichsten Seite, ohne die erdrückende Feuchtigkeit, die viele südostasiatische Destinationen in anderen Monaten prägt.
Besonders für Reisende über 50 erweist sich Hoi An als außerordentlich angenehmes Ziel. Das gemächliche Tempo der Stadt, die überschaubare Größe und die hervorragende touristische Infrastruktur ermöglichen einen stressfreien Aufenthalt. Man muss keine Marathonstrecken zurücklegen oder sich durch überfüllte Metropolen kämpfen – alles liegt nah beieinander und lässt sich in aller Ruhe erkunden.
Die magische Altstadt entdecken
Das Herzstück Hoi Ans bildet zweifellos die Altstadt mit ihren gelben Kolonialbauten, chinesischen Versammlungshallen und der berühmten japanischen Brücke. Ein Kombiticket für etwa 10 Euro gewährt Zugang zu mehreren historischen Gebäuden und ist für ein Wochenende völlig ausreichend. Die Architektur erzählt Geschichten aus verschiedenen Epochen: chinesische Kaufleute hinterließen prachtvolle Tempel, japanische Händler ihre ikonische überdachte Brücke, und die französische Kolonialzeit prägte die pastellfarbenen Fassaden.
Am besten erkundet man die Altstadt zu Fuß in den frühen Morgenstunden, wenn das weiche Licht die alten Mauern in warme Töne taucht und die Händler ihre Waren aufbauen. Der Thu Bon-Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt, bietet wunderbare Ausblicke und lädt zu entspannten Momenten am Ufer ein. Gegen Abend verwandelt sich die Szenerie vollends: Tausende Lampions tauchen die Gassen in ein märchenhaftes Licht, das Fotografen und Romantiker gleichermaßen verzückt.
Kulinarische Entdeckungen für kleines Geld
Die vietnamesische Küche genießt weltweit einen exzellenten Ruf, und Hoi An bietet die perfekte Gelegenheit, ihre Vielfalt kennenzulernen. Besonders empfehlenswert sind die zahlreichen kleinen Garküchen und einfachen Lokale, in denen eine vollständige Mahlzeit selten mehr als 3 bis 4 Euro kostet. Die lokalen Spezialitäten wie Cao Lau, eine Nudelsuppe die es nur hier gibt, oder die knusprigen Wontons sollte man unbedingt probieren.
Auf dem zentralen Markt herrscht morgens geschäftiges Treiben. Hier kaufen Einheimische frisches Gemüse, Kräuter und Gewürze ein – ein Fest für alle Sinne. Wer sich für die vietnamesische Kochkunst interessiert, findet hier erschwingliche Kochkurse, bei denen man zunächst gemeinsam Zutaten einkauft und anschließend traditionelle Gerichte zubereitet. Solche Kurse kosten etwa 20 bis 25 Euro und beinhalten ein mehrgängiges Essen, das man selbst gekocht hat.
Für das Frühstück lohnt sich der Gang in die kleinen Straßencafés, wo ein Kaffee nach vietnamesischer Art mit gesüßter Kondensmilch zusammen mit einem Baguette keine 2 Euro kostet. Diese französisch-vietnamesische Fusion ist ein kulinarisches Erbe der Kolonialzeit und schmeckt nirgendwo besser als hier.
Fortbewegung ohne Stress und Kosten
Die Altstadt von Hoi An ist weitgehend autofrei, was das Flanieren besonders angenehm macht. Für die etwas weiteren Strecken, etwa zum Strand oder zu den umliegenden Dörfern, bietet sich das Fahrrad an. Die Leihgebühr beträgt pro Tag lediglich 1 bis 2 Euro, und die flache Topografie macht das Radfahren auch für weniger Geübte problemlos möglich. Viele Unterkünfte stellen ihren Gästen Fahrräder sogar kostenlos zur Verfügung.

Der etwa fünf Kilometer entfernte An Bang Beach lässt sich bequem in 20 Minuten per Rad erreichen. Die Strecke führt durch Reisfelder und kleine Dörfer – eine Fahrt, die bereits zum Erlebnis wird. Wer lieber ein motorisiertes Gefährt nutzen möchte, findet überall Motorradtaxis, die für kurze Strecken innerhalb der Stadt etwa 1 bis 2 Euro verlangen.
Preiswerte Unterkunftsmöglichkeiten
Hoi An bietet eine beeindruckende Auswahl an Unterkünften für jeden Geldbeutel. Besonders die kleinen familiengeführten Gästehäuser in der Nähe der Altstadt punkten mit persönlichem Service und unschlagbaren Preisen. Für 20 bis 30 Euro pro Nacht erhält man ein sauberes, klimatisiertes Zimmer mit eigenem Bad, oft inklusive Frühstück. Die Gastgeber sind meist ausgesprochen hilfsbereit und geben gerne Tipps für die Erkundung der Umgebung.
Wer etwas mehr Komfort wünscht, findet gehobene Unterkünfte mit Pool für 40 bis 60 Euro pro Nacht – ein Preis, der in Europa kaum denkbar wäre für vergleichbare Leistungen. Die Lage ist entscheidend: Unterkünfte in Gehweite zur Altstadt ersparen zusätzliche Transportkosten und ermöglichen spontane Abendspaziergänge durch die illuminierte Stadt.
Authentische Erlebnisse abseits der Hauptrouten
Ein Ausflug zu den handwerklichen Dörfern in der Umgebung offenbart das traditionelle Vietnam. Das Keramikdorf Thanh Ha liegt nur drei Kilometer entfernt und kann problemlos mit dem Fahrrad erreicht werden. Hier beobachtet man Kunsthandwerker bei der Arbeit und kann sich selbst am Töpfern versuchen – ein faszinierendes Erlebnis, das kaum etwas kostet.
Das Holzschnitzerdorf Cam Kim auf einer Flussinsel gegenüber der Altstadt erreicht man mit einer kleinen Fähre für wenige Cent. Die Überfahrt selbst ist bereits ein Erlebnis, und auf der Insel herrscht ländliche Ruhe. Hier fertigen Handwerker seit Generationen aufwendige Holzarbeiten, und man gewinnt einen authentischen Einblick in das Leben jenseits der touristischen Pfade.
Der nahe gelegene Strand bietet im Januar perfekte Bedingungen zum Entspannen. Das Meer ist ruhig und warm, und entlang der Küste reihen sich einfache Strandlokale aneinander, wo man für etwa 2 bis 3 Euro frische Kokosnüsse oder Fruchtshakes genießen kann. Liegestühle und Sonnenschirme werden meist kostenlos zur Verfügung gestellt, wenn man etwas bestellt.
Praktische Hinweise für den Aufenthalt
Der nächstgelegene internationale Flughafen liegt in Da Nang, etwa 30 Kilometer entfernt. Von dort erreicht man Hoi An mit dem Bus für etwa 1 bis 2 Euro oder mit einem privaten Transfer für rund 15 Euro. Die Fahrt dauert knapp eine Stunde und führt entlang der malerischen Küstenstraße.
Die lokale Währung ist der Vietnamesische Dong, wobei viele Händler auch US-Dollar akzeptieren. Geldautomaten sind reichlich vorhanden, und die Gebühren halten sich in Grenzen. Kreditkarten werden in größeren Etablissements akzeptiert, doch für die vielen kleinen Geschäfte und Garküchen sollte man immer Bargeld dabei haben.
Ein Wochenende in Hoi An ermöglicht einen tiefen Einblick in eine der charmantesten Städte Südostasiens, ohne das Reisebudget zu sprengen. Die Kombination aus kulturellem Reichtum, kulinarischen Genüssen und der entspannten Atmosphäre macht dieses Ziel besonders für anspruchsvolle Reisende interessant, die Wert auf Authentizität und Qualität legen. Der Januar bietet dafür die idealen klimatischen Voraussetzungen, und die überschaubare Größe der Stadt erlaubt es, in kurzer Zeit viel zu erleben, ohne sich gehetzt zu fühlen. Vietnam zeigt sich hier von seiner zugänglichsten und freundlichsten Seite – eine Destination, die noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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