Wer Microsoft Teams im Arbeitsalltag nutzt, sendet täglich Dutzende Nachrichten, teilt Dateien und führt Videokonferenzen. Doch was passiert eigentlich mit all diesen Daten, nachdem du auf „Löschen“ klickst? Die Antwort dürfte viele überraschen: Deine vermeintlich gelöschten Chats verschwinden keineswegs sofort ins digitale Nirvana. Microsoft hat ein ausgeklügeltes System implementiert, das Unternehmensdaten schützt – manchmal sogar über Jahre hinweg.
Was wirklich passiert, wenn du auf Löschen drückst
Drücken wir auf den Löschen-Button in Teams, wiegen wir uns oft in falscher Sicherheit. Die Nachricht verschwindet zwar aus dem Chat-Fenster, doch im Hintergrund läuft ein ganz anderer Prozess ab. Nach Ablauf einer konfigurierten Aufbewahrungsfrist wird die Nachricht in einen speziellen Ordner namens „SubstrateHolds“ verschoben und dort mindestens einen Tag lang aufbewahrt. Erst danach erfolgt die endgültige Löschung durch einen automatischen Timer-Job, was typischerweise zwischen einem und sieben Tagen dauern kann.
Die Logik dahinter ist simpel: Microsoft möchte versehentlich gelöschte Inhalte wiederherstellbar machen und Nutzern sowie Administratoren ein Sicherheitsnetz bieten. Gelöschte Teams sind 30 Tage wiederherstellbar, und zwar sowohl für Teambesitzer als auch für IT-Administratoren. Was zunächst praktisch klingt, hat allerdings eine Kehrseite, die vielen Anwendern nicht bewusst ist.
Aufbewahrungsrichtlinien: Wenn aus Tagen Jahre werden
Wirklich interessant wird es bei den sogenannten Aufbewahrungsrichtlinien, die IT-Administratoren konfigurieren können. Diese Policies erlauben es Unternehmen, Daten nicht nur kurzzeitig, sondern bis zu sieben Jahre zu archivieren. Sieben Jahre – eine Zeitspanne, die selbst den durchschnittlichen Beschäftigungszeitraum vieler Mitarbeiter überdauert.
Solche Richtlinien werden aus verschiedenen Gründen implementiert. Compliance-Anforderungen, rechtliche Auflagen in bestimmten Branchen oder einfach die Absicherung gegen potenzielle Rechtsstreitigkeiten können Unternehmen dazu bewegen, Kommunikationsdaten langfristig zu speichern. Besonders in regulierten Branchen wie Finanzwesen, Gesundheitswesen oder Rechtsberatung ist dies Standard. Die Dauer dieser Aufbewahrung ist flexibel gestaltbar und wird organisations- sowie branchenabhängig konfiguriert.
Was genau wird gespeichert?
Die Aufbewahrung erstreckt sich nicht nur auf den reinen Nachrichtentext. Microsoft Teams archiviert alle Chat-Nachrichten einschließlich privater Einzelchats, Kanalnachrichten in öffentlichen und privaten Teams, geteilte Dateien, Bilder und Dokumente, Meeting-Notizen und Whiteboards sowie Reaktionen und Emojis. Selbst Bearbeitungsverläufe von Nachrichten bleiben in vielen Konfigurationen erhalten. Das mag für Forensik und Compliance-Prüfungen hilfreich sein, stellt aber auch eine umfassende digitale Spur dar.
Wenn du eine Nachricht bearbeitest, verschwindet die ursprüngliche Version oft nicht einfach. Sie wird dokumentiert und archiviert, sodass jede Änderung nachvollziehbar bleibt. Diese Funktion ist besonders relevant, wenn Unternehmen rechtliche Auseinandersetzungen führen oder interne Untersuchungen durchführen müssen.
OneDrive und SharePoint als heimliche Datenspeicher
Die Integration mit OneDrive und SharePoint ist dabei der Schlüssel zum Verständnis dieser Archivierung. Alle über Teams geteilten Dateien landen automatisch in speziellen OneDrive- oder SharePoint-Ordnern. Diese Cloud-Speicher folgen ihren eigenen Aufbewahrungsregeln, die oft unabhängig von Teams konfiguriert sind. Wird ein Team gelöscht, werden auch die entsprechende SharePoint-Website und alle zugehörigen Dateien gelöscht – allerdings nicht sofort und unwiderruflich.

Besonders bei der SharePoint-Integration von Teams-Gruppen gilt: Die SharePoint-93-Tage-Frist für Soft-Delete sorgt dafür, dass Gruppenobjekte und Sites noch aufbewahrt werden, bevor sie endgültig verschwinden. Viele Nutzer wissen nicht, dass ihr Speicher durch diese Teams-Integration kontinuierlich wächst. Wer sich wundert, warum der Cloud-Speicher plötzlich knapp wird, findet die Antwort oft in versteckten Teams-Ordnern, die mit Dateien aus längst vergessenen Projekten gefüllt sind. Im Ordner „Microsoft Teams Chat Files“ sammeln sich alle über Chats geteilten Dateien.
Was bedeutet das für deine Privatsphäre?
Die Frage nach der Privatsphäre stellt sich besonders bei persönlichen Chats im beruflichen Kontext. Viele Mitarbeiter nutzen Teams für eine Mischung aus streng geschäftlichen und eher informellen Gesprächen. Ein lockerer Kommentar über den Chef, eine kritische Bemerkung über Unternehmensentscheidungen oder persönliche Informationen – all das kann Jahre später noch abrufbar sein.
IT-Administratoren haben in der Regel weitreichende Zugriffsrechte auf archivierte Daten. Compliance-Tools und eDiscovery-Funktionen ermöglichen es, sämtliche Kommunikation zu durchsuchen, zu exportieren und zu analysieren. Was in einer informellen Kaffeepause schnell vergessen wäre, bleibt in der digitalen Welt dokumentiert. Diese Tatsache sollte jedem bewusst sein, der Teams nutzt.
Rechtliche Aspekte und Datenschutz
Microsoft verfügt über eine Datenverarbeitungsrichtlinie für Microsoft 365, die angibt, wie lange Kundendaten nach dem Löschen aufbewahrt werden. Die Standardpraxis sieht vor, dass Daten nur übergangsweise 30 beziehungsweise 180 Tage aufbewahrt werden, bevor sie unwiderruflich gelöscht werden. Längere Aufbewahrungsfristen müssen von der Organisation selbst konfiguriert werden und sollten einem konkreten Zweck dienen. Betriebsräte haben hier oft ein Mitspracherecht und sollten bei der Implementierung von Aufbewahrungsrichtlinien konsultiert werden.
So behältst du die Kontrolle über deine Daten
Auch wenn Administratoren die Hauptkontrolle haben, gibt es Möglichkeiten, bewusster mit Teams-Daten umzugehen. Zunächst solltest du dein eigenes OneDrive regelmäßig überprüfen. Im Ordner „Microsoft Teams Chat Files“ findest du alle über Chats geteilten Dateien. Eine regelmäßige Kontrolle hilft, unnötige Datenanhäufung zu vermeiden und den Überblick zu behalten.
Für wirklich vertrauliche Gespräche ist Teams möglicherweise nicht das richtige Medium. Der informelle Charakter von Chat-Nachrichten verleitet schnell zu unüberlegten Äußerungen. Eine Faustregel: Schreibe in Teams nichts, was du nicht auch in einer E-Mail an mehrere Empfänger formulieren würdest. E-Mails unterliegen zwar ähnlichen Aufbewahrungspflichten, doch die Hürde für unbedachte Äußerungen ist dort meist höher.
Was Unternehmen kommunizieren sollten
Transparenz ist hier das A und O. Arbeitgeber sollten ihre Teams-Nutzer klar über die geltenden Aufbewahrungsrichtlinien informieren. Eine kurze Schulung oder ein Info-Dokument kann helfen, dass Mitarbeiter verstehen, wie lange ihre Daten gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Diese Transparenz schützt nicht nur die Privatsphäre der Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen vor rechtlichen Komplikationen.
Die Langzeitspeicherung von Chat-Verläufen in Microsoft Teams ist ein zweischneidiges Schwert. Sie bietet Sicherheit gegen Datenverlust und erfüllt Compliance-Anforderungen, schafft aber auch eine permanente digitale Akte unserer beruflichen Kommunikation. Wer Teams nutzt, sollte sich dieser Realität bewusst sein und entsprechend achtsam mit seinen Nachrichten umgehen. Die Wolke vergisst nicht – und das manchmal sieben Jahre lang.
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